Sie haben sich einen neuen Bogen gekauft, möchten sofort los spielen - doch es
kommt kaum ein Ton raus?
Dann ist der Haarbezug des Bogens noch nicht einkolofoniert.
Dies tut man mit Kolophonium. Kolofonium ist eine Mischung bestimmter Harze
(ausführliche Infos über Kolophonium auf der nächsten Seite).
Pferdehaare haben kleine Widerhaken. Durch das Einstreichen wird das
Kolophonium an den Widerhäkchen abgesetzt - die Widerhaken werden aufgestellt -
das Haar erhält den nötigen Reibungswiderstand, um die Saite zum Schwingen zu
bringen.
Wie kolophoniere ich einen neuen Bogen ein?
Dazu wird das Kolophonium mehrere Minuten über die Haare des gespannten Bogens
gezogen.
Dies ist einfach wenn das Kolophoniumstück bereits oftmals verwendet wurde und
sich bereits eine aufgeraute Oberfläche gebildet hat. Ist das Kolophonium recht
neu (siehe Bild links) ist es hilfreich, wenn man manuell die Oberfläche des
Kolophoniumstückes etwas aufraut (z.B. mit Sandpapier).
So wird die Oberfläche geöffnet (siehe Bild rechts) und es befindet sich
Kolophoniumstaub auf der Oberfläche. Dann können sie die Bogenhaare ganz normal
drüber ziehen. Bei neuen Bogen bis zu 50x darüberstreichen - also richtig
"einseifen".

Kolophonium / Harz für Geigenbogen, Bratschenbogen,
Cellobogen und Bassbogen
Begriff - Zusammensetzung - Wirkungsweise - Pflege
Dieses oft vernachlässigte, manchmal aber auch zur Philosophie hochstilisierte
Material, das beim Kontakt von Saite und Bogenhaar erst einen hörbaren Ton
ermöglicht, birgt so manches Geheimnis, das gelüftet werden will.
Seinen Namen verdankt es der antiken Stadt Kolophon in Kleinasien, in der es
schon im Altertum in hoher Qualität hergestellt wurde. Nach neuer deutscher
Rechtschreibung müsste es zwar „Kolofonium“ heißen, aber das altertümlich
anmutende „ph“ erfreut das Auge mehr!
Kolofonium findet in verschiedenen Bereichen Verwendung: In der Elektronik als
Aktivator und Isolator in Flussmitteln zum Weichlöten, sowohl in der
Flussmittelseele im Lötdraht, im Flussmittel zum Wellenlöten und auch in
Lötpasten für die SMD-Technik.
Ist das Kolophonium mit diversen Substanzen veredelt wird es auch als Bogenharz
bezeichnet, da die Rosshaarbögen von Streichinstrumenten damit behandelt werden
müssen, um Saitenschwingungen zu erregen. Dabei reibt man mit einem Harzstück
die Bogenhaare ein.
Aus dem balsamartigen Naturharz, aus dem Stamm einer Kiefer, Tanne, Pinie,
Lärche oder Fichte, wird durch Destillation Terpentinöl gewonnen. Rückstände wie
Harz, Säuren und Wasser werden bis zur Verdunstung des Wassers erhitzt, sodass
sich Verunreinigungen absetzen und das reine Harz abgeschöpft werden kann
Billiges Kolophonium, gefertigt aus Abfallprodukten der Papierherstellung,
verhilft zwar auch zur Tonerzeugung, der Unterschied zu handgefertigten
Produkten ist jedoch deutlich hörbar. Falls dennoch ein günstiges (oft
klebendes) Kolophonium benutzt wird, empfehlen wir eine sehr sparsame Dosierung,
da sonst Nebengeräusche auftreten können und die Bogenhaare verkleben. Nach der
Nutzung eines solchen Harzes sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, die
Verklebungen der Haare nach dem Spiel zu entfernen bis die Haare wieder einzeln
liegen.
Die Verschiedenheit der verschiedenen Kolophonium (= Rosin) -Sorten liegt in der
Auswahl des Rohmaterials und auch in der Vielzahl der Zusätze.
Bogenharz verbessert die Griffigkeit der Bogenhaare auf den Saiten. Eine dünne
Schicht Kolophonium schließt die Unebenheiten auf der Oberfläche jedes einzelnen
Haares. Die Haftkraft erhöht sich und der Bogen lässt sich geschmeidig führen.
Es wird immer wieder die Frage gestellt, welches Kolophonium wohl das Beste sei.
Darauf gibt es jedoch keine einfache Antwort. Welche Sorte der Musiker wählt,
hängt außer von seinem Instrument auch von seinem Tonideal und seiner Spielweise
ab.
Je nach Kochtemperatur bei der Herstellung gibt es verschiedene Härtegrade,
angepasst an die verschiedenen Instrumente von der Geige über Bratsche, Cello
bis hin zum Kontrabass. Unterschiedliche Herstellungsverfahren und Beimengungen
bestimmen den Schmelzpunkt bzw. Schmelzbereich des Kolophoniums, der sich
wiederum auf die Klangeigenschaften auswirkt.
Musiker wählen ihr Kolophonium individuell, wobei Stahlsaiten eine niedrigere,
Kunststoffsaiten eine mittlere und Darmsaiten eine höhere Haftkraft benötigen.
Grundsätzlich gilt:
- der Geigenbogen / Violinbogen benötigt die geringste Haftkraft (härtestes
Kolofonium),
- der Bratschenbogen / Violabogen, Soprangambenbogen benötigt eine geringere
Haftkraft (hartes Kolofonium),
- der Cellobogen, Tenorgambenbogen, Bassgambenbogen eine mittlere Haftkraft
(mittelweiches Kolofonium) und
- der Kontrabassbogen eine hohe Haftkraft (weiches Kolofonium).
Also benötigen Geigen - Stahlsaiten ein Kolophonium mit der niedrigsten und
Kontrabass-Darmsaiten ein Kolophonium mit der höchsten Haftkraft.
Gutes Kolophonium sollte durchsichtig sein und sich leicht in weißlichen Staub
zerreiben lassen, wobei es nicht klebrig sein darf.
Vor Anwendung einer neuen Kolophonium-Marke sollten die Bogenhaare gründlich
gereinigt werden z. B. mit reinem Alkohol oder Saitenreiniger.
Um die charakteristischen Schwingungseigenschaften zu erhalten, müssen Saiten
nach jedem Spiel von Kolophonium-Resten mit einem weichen, trockenen und nicht
fusselnden Tuch abgerieben werden. Ebenso die Decke des Instrumentes, das
Griffbrett und die Bogenstange. Hartnäckige Rückstände auf den Saiten lassen
sich mit Saitenreiniger entfernen, wobei blanke Darmsaiten danach mit Saitenöl
leicht eingerieben werden sollten. Bitte beachten Sie, dass der Saitenreiniger
nicht mit dem Lack des Instruments in Berührung kommen sollte.
Kolophonium kann allergische Reaktionen auslösen. Wir empfehlen in diesem Fall
Larsen antiallergisches Kolophoniumharz.
Wie sollte Bogenharz aufgetragen werden? Mit dem Bogen solange über das
Kolophonium gleiten bis die Haare klebrig wirken. Ein Drehen des Geigenharzes
während des Auftragens bewirkt die gleichmäßige Abnutzung und verhindert tiefe
Rillen.
Wieviel Kolophonium soll aufgetragen werden? Lieber ein wenig mehr als zu wenig.
Ist der Streichbogen nicht genügend einkolofoniert, führt dies bei den meisten
Musikern zu erhöhtem Druckeinsatz. Damit geht leider das Gefühl für den Einsatz
des Eigengewichts des Bogens verloren. Als Faustregel gilt: 10-12 gleichmäßige
Striche über die gesamte Haarlänge für frisch gereinigte Bogen. 6-7 Striche zur
Auffrischung.