Obwohl Streichinstrumente
bekanntermaßen viele Jahrhunderte überdauern, kann man ihnen das Leben mit ein
paar Pflegeeinheiten "angenehmer" machen.
Wenn der Schüler von Anfang an lernt auf sein
Instrument zu achten und es zu pflegen, dann steht auch später einer ungetrübten
Freude am dann vielleicht eigenen sehr guten und teuren Instrument nichts im
Wege.
Daher ist es lobenswert, sich ein paar Dinge
zur Gewohnheit zu machen bei der Pflege des Streichinstrumentes. Auch lohnt es
sich für Eltern aus den oben genannten Gründen heraus, ihre Kinder zu einer
sinnvollen Pflege ihres Streichinstruments anzuhalten.
Vorneweg noch die wichtigsten Begriffe am Streichinstrument:

1.
Saitenhalter mit Feinstimmern
Um dieses Teil geht es:

Worauf ist zu achten:
Beim Stimmen werden die
einzelnen Feinstimmer meist nach unten gedreht, um die Saite höher zu Stimmen.
Daher sollte man von Zeit zu Zeit die Schrauben wieder in die andere Richtung
drehen, da sonst der Feinstimmer die wertvolle Instrumentendecke beschädigen
kann bzw. kein weiteres Feinstimmen mehr möglich ist. Der untere Arm des
Feinstimmers kann sich sogar unbemerkt in die Decke reinbohren, wenn man nicht
aufmerksam ist und teuere Reparaturen bzw. Schäden am Instrument hervorrufen.
Hier fängt es langsam an gefährlich für die wertvolle Instrumentendecke zu
werden, noch einmal kurz in der Aufregung gestimmt und schon ist es passiert:

Daher
immer ein Auge darauf haben, dass man nicht zu tief nach unten schraubt und
gelegentlich wieder in die andere Richtung drehen.
2. Decke
unter der Strichstelle
Nun geht es um diesen Bereich:

Worauf ist zu achten:
Auf der Decke unter dem
Bereich wo Bogen die Saiten berührt entsteht bei jedem Spielen mehr oder weniger
Kolophoniumstaub der sich meist zunächst fast unsichtbar auf der Decke absetzt.
Deshalb sollte man nach jedem Spielen mit einem weichen Tuch nachwischen. Aber
Achtung: mit diesem Tuch NUR diese Stelle reinigen, nicht den ganzen
Geigenkorpus. Zum Reinigen des übrigen Korpus sollte ein anderes Tuch verwendet
werden, da sich sonst der raue Kolophoniumstaub auf dem GANZEN Instrument
verteilt und feine Kratzer und Verunreinigungen hinterlässt. Reinigt man diese
Stelle zu selten entsteht ein weißer Belag auf dem Lack der unschön aussieht.
Reinigt man die Stelle fast nie, dann kann das Kolophonium sogar eine Verbindung
mit dem Lack eingehen und es lässt sich so gut wie nicht mehr entfernen.
Also nach jedem Spielen mit einem weichen Tuch
Kolophonium-Staub entfernen und dieses Tuch nur für diese Stelle benutzen.
3. Steg
Ein guter Steg ist ein
wertvolles Präzisionsteil, das entscheidend für guten Klang und einfache
Spielbarkeit ist. Gut gepflegt hält ein Steg mehrere Jahrzehnte.
Worauf ist zu achten?
Der Steg sollte immer gerade
und oder minimal nach hinten zum Saitenhalter geneigt stehen.
So sieht ein perfekt stehender
Steg aus:

Wenn man die Saiten am Wirbel
stimmt, dann entsteht ein leichter Zug am Steg Richtung Griffbrett. Unbeachtet
kann es soweit kommen, dass sich der Steg nach vorne neigt, sich unter dem
Saitendruck dauerhaft verbiegt und unbrauchbar wird. Schlimmstenfalls kann er
auch brechen oder umkippen. Dabei können Teil der Decke beschädigt werden.
Hier besteht die Gefahr, dass der Steg beim
nächsten Stimmen umfällt. Der auf die Decke aufknallende Saitenhalter kann dann
üble Beschädigungen anrichten.

Deshalb
das Instrument auch ab und zu mal von der Seite anschauen und darauf achten,
dass der Steg gerade bleibt. Den Steg immer wieder kontrollieren und wenn nötig
gerade rücken. Dies allerdings mit sehr viel Gefühl! Nötigenfalls die Saiten
lockern, Steg gerade richten und dann beim Hochstimmen darauf achten, dass er
sich nicht gleich wieder verzieht. Ist der Steg auch ohne Saitendruck krumm,
muss er erneuert werden. Dies ist eine Arbeit für den Geigenbauer.
4.
Griffbrett, Kinnhalter , Saiten
Hier kommt es in erster Linie
auf Sauberkeit auch im Sinne der Hygiene an. Wenn man Griffbrett, Saiten und
Kinnhalter sauber hält, dann kann man Entzündungen an Fingerkuppen oder Hals
vorbeugen. Der sogenannte "Geigerfleck" gehört dann der Vergangenheit an.
Daher von Zeit zu Zeit Griffbrett und Saitenhalter vorsichtig reinigen, indem
man ein wenig Isopropyl-Alkohol (in Apotheken erhältlich) auf ein Tuch gibt, und
dann vorsichtig die Saiten, Kinnhalter und Griffbrett abwischt. Es darf
keinesfalls Alkohol auf den Geigenlack kommen, da dieser sich sonst auflöst.
Weitere Pflege- und Reinigungsmittel finden Sie hier!
5. Wirbel
Es geht nun um die Wirbel:

Alles folgenden Pflegetipps beziehen sich auf gut
eingepasste Wirbel die technisch in Ordnung sind. Ansonsten müsste sich ein
Geigenbauer der Sache annehmen.
Die zwei häufigsten Problem sind: 1. Ein Wirbel
geht zu schwer und man bricht sich halb die Finger beim Stimmen. 2. Ein Wirbel
geht zu leicht und dadurch rutscht er bzw. hält die Stimmung nicht.
Was ist zu tun: Am besten löst man das Problem mit
ein wenig
Wirbelseife. Sie hilft die richtige Mischung aus Festigkeit und Flexibilität
herzustellen. Gerade bei Luftfeuchtigkeitsschwankungen wie z. B. im Winter durch
trockene Heizungsluft ist sie eine große Hilfe. Einfach die Wirbel an der Stelle
wo sie mit dem Wirbelkasten in Berührung kommen (kann man meist an der
glänzenden Stelle am Wirbel gut erkennen) etwas Wirbelseife auftragen.
Dann den Wirbel wieder einstecken, ein wenig hin-
und herdrehen, sodass sich die Wirbelseife gut verteilt. Meist sind damit alle
Probleme behoben.
Diese Wartungsarbeit ist wichtig, da ein schwer
gehender Wirbel bei zu derbem Drehen Risse am Wirbelkasten hervorrufen kann.
Diese müssen dann aufwändig vom Geigenbauer repariert werden.
Daher
stets auf leichtgängige Wirbel achten und gegebenenfalls mit Wirbelseife
nachhelfen.
6. Bogen
Der Bogen sollte nach jedem Spiel mittels der
Schraube am unteren Ende entspannt werden. Und zwar so, dass die Haare weder
straff noch locker sind. Sind sie zu straff, so wird die Stange unnötige
belastet und kann sich im Laufe der Zeit verziehen oder krumm werden. Sind die
Haare zu locker werden sie spröde und brüchig und sie reißen schneller.
Deshalb
nach jedem Spiel die Haare so entspannen, dass sie weder straff noch ganz locker
sind: sie sollten gerade noch so geordnet sein.