Das Bogenharz oder Kolophonium

Begriff - Zusammensetzung - Wirkungsweise -  Pflege

Dieses oft vernachlässigte, manchmal aber auch zur Philosophie hochstilisierte Material, das beim Kontakt von Saite und Bogenhaar erst einen hörbaren Ton ermöglicht, birgt so manches Geheimnis, das gelüftet werden will.  

Seinen Namen verdankt es der antiken Stadt Kolophon in Kleinasien, in der es schon im Altertum in hoher Qualität hergestellt wurde. Nach neuer deutscher Rechtschreibung müsste es zwar „Kolofonium“ heißen, aber das altertümlich anmutende „ph“ liest sich doch gediegener.   

Kolophonium findet in verschiedenen Bereichen Verwendung: In der Elektronik als Aktivator und Isolator, in Flussmitteln zum Weichlöten sowohl in der Flussmittelseele im Lötdraht, im Flussmittel zum Wellenlöten und auch in Lötpasten.

Ist das Kolophonium (engl. Rosin) mit diversen Substanzen veredelt wird es auch als Bogenharz bezeichnet, da die Rosshaarbögen von Streichinstrumenten damit behandelt werden müssen, um Saitenschwingungen zu erregen. Dabei reibt man mit einem Harzstück die Bogenhaare ein. 

Aus dem balsamartigen Naturharz, aus dem Stamm einer Kiefer, Tanne, Pinie, Lärche oder Fichte, wird durch Destillation Terpentinöl gewonnen. Rückstände wie Harz, Säuren und Wasser werden bis zur Verdunstung des Wassers erhitzt, sodass sich Verunreinigungen absetzen und das reine Harz abgeschöpft werden kann.  

Billiges Kolophonium, gefertigt aus Abfallprodukten der Papierherstellung, verhilft zwar auch zur Tonerzeugung, der Unterschied zu handgefertigten Produkten ist jedoch deutlich hörbar. Falls dennoch ein günstiges (oft klebriges) Kolophonium benutzt wird, empfehlen wir eine sehr sparsame Dosierung, da sonst Nebengeräusche auftreten können und die Bogenhaare verkleben. Nach der Nutzung eines solchen Harzes sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, die Verklebungen der Haare nach dem Spiel zu entfernen bis die Haare wieder einzeln liegen.  

Die Verschiedenheit der Kolophonium-Sorten liegt in der Auswahl des Rohmaterials und auch in der Vielzahl der Zusätze.  

Bogenharz verbessert die Griffigkeit der Bogenhaare auf den Saiten. Eine dünne Schicht Kolophonium schließt die Unebenheiten auf der Oberfläche jedes einzelnen Rosshaares. Die Haftkraft erhöht sich und der Bogen lässt sich geschmeidig führen.  

Es wird immer wieder die Frage gestellt, welches Kolophonium wohl das Beste sei. Darauf gibt es jedoch keine einfache Antwort. Welche Sorte der Musiker wählt, hängt außer von seinem Instrument auch von seinem Tonideal und seiner Spielweise ab.  

Je nach Kochtemperatur bei der Herstellung gibt es verschiedene Härtegrade, angepasst an die verschiedenen Instrumente von der Geige über Bratsche, Cello bis hin zum Kontrabass. Unterschiedliche Herstellungsverfahren und Beimengungen bestimmen den Schmelzpunkt bzw. Schmelzbereich des Kolophoniums, der sich wiederum auf die Klangeigenschaften auswirkt. Die genauen Rezepte sind das Geheimnis des jeweiligen Herstellers.  

Musiker wählen ihr Kolophonium individuell, wobei Stahlsaiten eine niedrigere, Kunststoffsaiten eine mittlere und Darmsaiten eine höhere Haftkraft benötigen. Grundsätzlich gilt: 

 

Also benötigen Geigen - Stahlsaiten ein Kolophonium mit der niedrigsten und Kontrabass-Darmsaiten ein Kolophonium mit der höchsten Haftkraft. Gutes Kolophonium sollte durchsichtig sein und sich leicht in weißlichen Staub zerreiben lassen, wobei es nicht klebrig sein darf.

Vor Anwendung einer neuen Kolophonium-Marke sollten die Bogenhaare gründlich gereinigt werden z. B. mit reinem Alkohol. Aber Vorsicht: nichts davon an die Bogenstange bringen, dies könnte den Lack anlösen!

Um die charakteristischen Schwingungseigenschaften zu erhalten, müssen Saiten nach jedem Spiel von Kolophonium-Resten mit einem weichen, trockenen und nicht fusselnden Tuch abgerieben werden. Ebenso die Decke des Instrumentes, das Griffbrett und die Bogenstange - aber Achtung: nicht mit demselben Tuch (sonst reibt man die Kolophonium-Partikel nur in den Lack). Hartnäckige Rückstände auf den Saiten lassen sich mit  Saitenreiniger entfernen, wobei blanke Darmsaiten danach mit Saitenöl leicht eingerieben werden sollten. Bitte beachten Sie, dass der Saitenreiniger nicht mit dem Lack des Instruments in Berührung kommen sollte.

Kolophonium kann allergische Reaktionen auslösen. In diesem Fall könnte man es einmal mit Larsen antiallergisches Kolophoniumharz versuchen.

Wie sollte Bogenharz aufgetragen werden? Mit dem Bogen solange über das Kolophonium gleiten bis die Haare klebrig wirken. Ein Drehen des Geigenharzes während des Auftragens bewirkt die gleichmäßige Abnutzung und verhindert tiefe Rillen (gilt nur für rundes Kolofonium).

Wie viel Kolophonium soll aufgetragen werden? Lieber ein wenig mehr als zu wenig. Ist der Streichbogen nicht genügend einkolofoniert, führt dies bei den meisten Musikern zu erhöhtem Druckeinsatz. Damit geht leider das Gefühl für den Einsatz des Eigengewichts des Bogens verloren. Als Faustregel gilt: 10-12 gleichmäßige Striche über die gesamte Haarlänge für frisch gereinigte Bogen. 6-7 Striche zur Auffrischung.

 

 

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