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Die Besonderheiten des historischen Bogens für tiefe Streicher
Das Spielen auf historischen Bassinstrumenten erfordert Bogenmodelle, die optimal auf klassische Darmsaiten abgestimmt sind. Ein moderner Kontrabassbogen ist meist darauf ausgelegt, möglichst laut zu spielen und den Ton durchgehend gleichmäßig zu halten. Ein Barockbogen funktioniert jedoch anders: Er bringt die Saiten so zum Schwingen, dass die Musik lebendiger und „sprechender“ klingt. Die Töne dürfen natürlich atmen – sie beginnen weich, entfalten in der Mitte ihren vollen Klang und klingen dann schnell und sauber wieder ab. Um den Wechsel von einem modernen Bogen zu erleichtern, verfügen unsere Barockkontrabassbögen über eine gerade bis leicht nach innen gebogene (konkave) Bogenstange. Kombiniert mit dem deutlich leichteren Bogenkopf entsteht so das typisch historische Klangbild bei vertrautem Spielgefühl.
Material und historische Bauweise
Ein wesentliches Merkmal für die Spielbarkeit dieser Bögen ist das Holz. Unsere Modelle werden aus bewährtem Brasilholz oder hochwertigem Fernambukholz gefertigt. Diese Hölzer bieten die ideale Kombination aus Elastizität und Festigkeit, um die Bogenstange dauerhaft stabil zu halten und den dickeren Bass-Darmsaiten genügend Widerstand entgegenzusetzen.
Unsere Modelle sind mit einer klassischen Schraubmechanik am Frosch ausgestattet. Dies bietet den entscheidenden Vorteil, dass die Handhabung beim Spannen und Entspannen der Bogenhaare genauso vertraut und unkompliziert funktioniert wie bei einem modernen Bogen. Dennoch liegt der Schwerpunkt des Bogens historisch optimiert, was die Wendigkeit bei schnellen Passagen im Continuo enorm erleichtert.
Vergleich: Moderner Kontrabassbogen vs. Barockbassbogen
| Merkmal | Moderner Kontrabassbogen | Barockbassbogen (unsere Modelle) |
|---|---|---|
| Bogenstange | Stark konkav, auf Dauerdruck ausgelegt | Gerade bis leicht konkav, für leichte Umgewöhnung |
| Bogenkopf | Massiv, oft Beil- oder Schwanenkopf | Leicht, spitz zulaufend (Schwanenhals) |
| Frosch | Schwerer, moderne Mechanik | Vertraute Schraubmechanik, optimierter Schwerpunkt |
| Klangideal | Maximales Volumen, konstanter Druck | Sprechend, artikuliert, natürliches Verklingen |
Häufig gestellte Fragen (FAQ für Fortgeschrittene und Profis)
Welches Kolophonium eignet sich am besten für Barockkontrabassbögen?
Bei der Verwendung von reinen Darmsaiten oder darmbasierten Saiten benötigen Sie ein Kolophonium, das einerseits genügend Anfangshaftung (Grip) für die Ansprache bietet, andererseits aber nicht so klebrig ist, dass es das freie Schwingen und Verklingen (Resonanz) der Saiten abwürgt. Beliebt sind mittelweiche bis weiche Bass-Harze. Je nach klimatischen Bedingungen und Saitenspannung variieren Profis hier oft: Ein weicheres Kolophonium hilft bei dicken, trägen Darmsaiten im tiefen Register, während für solistische, schnelle Passagen ein etwas trockeneres Harz die Artikulation transparenter macht.
Wann wählt man einen Barockbogen mit niedrigem Frosch und wann mit hohem Frosch?
Die Höhe des Frosches beeinflusst den Hebel und den Abstand der Bogenstange zu den Haaren (und damit zu den Saiten). Ein hoher Frosch wird oft bevorzugt, wenn das Instrument eine ausgeprägte Wölbung oder einen flacheren Steg hat; er verhindert, dass die Stange bei kräftigen Akkorden oder im Forte auf den Mittel-Saiten aufschlägt. Zudem begünstigt er einen etwas schwereren, tieferen Strich. Ein niedriger Frosch bringt die Hand näher an die Stange und die Saiten, was eine direktere, sehr feine haptische Kontrolle ermöglicht – ideal für komplexe Verzierungen und eine sehr leichte, transparente Continuo-Arbeit, erfordert jedoch eine exakte Bogenführung.
Warum sind Brasilholz und Fernambuk eine gute Wahl für den Barock-Bassbogen?
Auch wenn Fernambuk historisch erst später zum absoluten Standard wurde, schätzen heutige Profis die physikalischen Eigenschaften dieser Hölzer für die historische Aufführungspraxis. Um die gerade bis leicht konkave Bogenstange herzustellen, die trotz der enormen Masse der Bass-Darmsaiten nicht nachgibt, benötigt man ein Holz mit sehr hoher Steifigkeit und Elastizität. Fernambuk und hochwertiges Brasilholz bieten genau diese Stabilität, erlauben gleichzeitig eine feine Ausarbeitung des leichten Kopfes und sichern so den optimalen, froschnahen Schwerpunkt.